Brandschutztüren gehören in vielen Gebäuden zum Alltag. Man begegnet ihnen in Bürogebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Industriehallen oder öffentlichen Einrichtungen. Sie sollen verhindern, dass sich Feuer und Rauch ungehindert ausbreiten und so Flucht- und Rettungswege schützen.
Trotzdem sieht man immer wieder dasselbe Bild: Eine Brandschutztür wird mit einem Holzkeil, einem Mülleimer oder einem anderen Gegenstand offengehalten. Was im Arbeitsalltag praktisch erscheint, kann im Brandfall schwerwiegende Folgen haben.
Warum das so ist und welche Alternativen es gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Warum Brandschutztüren überhaupt geschlossen sein müssen
Brandschutztüren sind Teil des baulichen Brandschutzes. Ihre Aufgabe besteht darin, Brandabschnitte voneinander zu trennen. Kommt es zu einem Feuer, sollen sie verhindern, dass sich Flammen und vor allem Rauch ungehindert im Gebäude ausbreiten.
Gerade Rauch stellt häufig die größte Gefahr dar. Bereits wenige Atemzüge können ausreichen, um Menschen zu orientierungslos oder handlungsunfähig zu machen. Funktionierende Brandschutztüren tragen deshalb wesentlich dazu bei, Fluchtwege möglichst lange rauchfrei zu halten.
Damit sie diese Aufgabe erfüllen können, müssen sie im Brandfall vollständig schließen.
Warum Brandschutztüren trotzdem häufig offen stehen
Im täglichen Betrieb werden Brandschutztüren häufig als hinderlich empfunden. Sie schließen automatisch, erschweren den Materialtransport oder unterbrechen Laufwege zwischen verschiedenen Bereichen eines Gebäudes.
Die vermeintlich einfache Lösung ist schnell gefunden: Ein Keil unter der Tür, ein Papierkorb oder ein anderer Gegenstand hält die Tür dauerhaft offen.
Was den Arbeitsalltag erleichtert, setzt jedoch die eigentliche Schutzfunktion der Tür außer Kraft.
Warum ein Türkeil keine Lösung ist
Eine mit einem Keil blockierte Brandschutztür kann sich im Brandfall nicht mehr schließen. Dadurch verlieren Brandabschnitte ihre Wirkung und Rauch sowie Feuer können sich deutlich schneller ausbreiten.
Die Folgen können erheblich sein:
- Flucht- und Rettungswege verrauchen schneller.
- Die Feuerwehr findet schlechtere Einsatzbedingungen vor.
- Sachschäden können deutlich größer ausfallen.
- Das Risiko für Personen im Gebäude steigt.
Hinzu kommt, dass das Blockieren einer Brandschutztür in vielen Fällen gegen die brandschutztechnischen Anforderungen des Gebäudes verstößt.
Die richtige Alternative: Feststellanlagen
Es gibt durchaus Situationen, in denen Brandschutztüren offenstehen dürfen – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Hier kommen sogenannte Feststellanlagen zum Einsatz. Sie halten Brandschutztüren im normalen Betrieb offen und geben sie im Brandfall automatisch frei. Sobald Rauch erkannt wird oder ein entsprechendes Signal ausgelöst wird, schließt die Tür selbstständig und übernimmt wieder ihre Schutzfunktion.
So lassen sich betriebliche Abläufe mit den Anforderungen des Brandschutzes verbinden.
Feststellanlagen müssen regelmäßig geprüft werden
Damit Feststellanlagen im Ernstfall zuverlässig funktionieren, reicht ihre Installation allein nicht aus. Auch sie müssen regelmäßig geprüft und instandgehalten werden.
Dazu gehören unter anderem:
- die Funktionsprüfung der Feststellanlage,
- die Kontrolle der Rauchmelder,
- die Überprüfung der Auslösevorrichtungen,
- sowie die Dokumentation der durchgeführten Prüfungen.
Nur eine regelmäßig gewartete Anlage kann ihre Aufgabe im Brandfall zuverlässig erfüllen.
Häufige Fehler im Alltag
Bei Brandschutzbegehungen zeigen sich immer wieder ähnliche Mängel.
Dazu gehören beispielsweise blockierte Brandschutztüren, nachträglich montierte Türstopper oder Gegenstände, die das vollständige Schließen verhindern. Ebenso problematisch sind beschädigte Türschließer oder fehlende Wartungsnachweise für vorhandene Feststellanlagen.
Oft entstehen diese Situationen nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil Mitarbeitenden die Bedeutung der Brandschutztür im Alltag nicht bewusst ist.
Genau deshalb sind regelmäßige Unterweisungen und Sensibilisierungen ein wichtiger Bestandteil des organisatorischen Brandschutzes.
Wer trägt die Verantwortung?
Für den ordnungsgemäßen Zustand von Brandschutztüren und Feststellanlagen ist grundsätzlich der Betreiber des Gebäudes verantwortlich.
Dazu gehört unter anderem, dafür zu sorgen, dass Brandschutztüren nicht dauerhaft blockiert werden, Feststellanlagen ordnungsgemäß betrieben werden und notwendige Prüfungen fristgerecht erfolgen.
Regelmäßige Kontrollen helfen dabei, Mängel frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.
Brandschutz funktioniert nur, wenn alle mitwirken
Technische Einrichtungen können nur dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie richtig genutzt werden. Das gilt auch für Brandschutztüren.
Schon ein kleiner Türkeil kann im Ernstfall dazu führen, dass sich Rauch und Feuer ungehindert ausbreiten. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel, wie wichtig das Zusammenspiel von baulichem, technischem und organisatorischem Brandschutz ist.
Nicht nur Betreiber, sondern auch alle Mitarbeitenden tragen dazu bei, dass Brandschutzmaßnahmen ihre Schutzwirkung entfalten können.
Fazit
Offengehaltene Brandschutztüren mögen im Arbeitsalltag praktisch erscheinen, können im Brandfall jedoch schwerwiegende Folgen haben. Nur wenn Brandschutztüren ihre Schutzfunktion erfüllen und vorhandene Feststellanlagen zuverlässig arbeiten, können Brandabschnitte wirksam voneinander getrennt werden.
Regelmäßige Prüfungen, eine fachgerechte Wartung und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden tragen dazu bei, typische Fehler im Alltag zu vermeiden und den vorbeugenden Brandschutz nachhaltig zu stärken.